Mein Frust über nichtlizensierte Verwendung von Multimedialem Material im Internet

Es gab ein paar Geschehnisse vor kurzer Zeit, die mich jetzt dazu treiben diesen Artikel zu schreiben. Ich bin frustriert. Ich bin frustriert darüber, wie mit Kreativen Köpfen in der heutigen Zeit umgegangen wird. Content-Creator leben an der Existenzgrenze, während andere sich mit ihrem Content ein schönes Leben machen. Womit habe ich ein Problem? Ich habe ein Problem mit der aus der Funktionsweise folgenden Nachteile für ehrliche fleißige Menschen, die ihre Zeit verwenden, um unser Leben zu belustigen. Wie funktionieren die Algorithmen?

Die Algorithmen sind optimiert (oder optimieren sich selbst) dafür, dass die Firma oder Plattform möglichst viel Geld erwirtschaftet. Klar, das ist per se nicht falsch – wenn diese Firmen nicht wirtschaftlich handeln würden, dann würden sie ja verdrängt. Nichts desto trotz ist das Ergebnis das falsche. In dem Feed von Youtube werden Videos mit den reißerischsten  Titeln und Thumbnails vorgeschlagen, weil dort die Wahrscheinlichkeit des Draufklickens am höchsten ist. Das Video braucht weder Inhalt, noch muss es wirklich den Inhalt haben, den es anpreist, solange Youtube das Geld für den Anfangs-Spot und die Midroll-Ads bekommt, ist alles gut. Wenn jetzt der Nutzer durch das Video sich sogar noch dazu gezwungen fühlt, weitere Videos aus der “Serie” zu schauen ist das sogar noch profitabler. Und alles kostet unsere – Nein, meine und deine Zeit. Aber was sage ich, du hast bestimmt auch schon mehr als eine Woche an gesamter Watchtime auf Youtube. Weil “Serien” so gut den Zuschauer an Content und ans weiterschauen binden, sind “Daily-Vlogs” oder überhaupt tägliche Uploads so erfolgreich. Casey Neistat hat es in einer seiner Jubiläums-Videos treffend formuliert: “Just keep uloading.” – No matter what, just keep uploading. Diese Aussage sollte einem echt die Augen öffnen und einem zeigen, was für ein Ausmaß diese Katastrophe schon hat. Umso mehr du hochlädst, umso wahrscheinlicher ist es natürlich auch, dass eines deiner Videos von dem Algorithmus ausgewählt wird – von dir gibt es ja mehr. “Fakten”-Kanäle machen das in großem Stil. Oft mehrere Videos am Tag. Aber wie macht man so viel Content. Wie schafft man es in kürzester Zeit möglichst viele Videos von mindestens 10 Minuten Länge (untere Grenze für Midroll-Ad-Placement bei Youtube) zu erzeugen.

Ganz einfach: Content-Diebstahl.

Du schaust dir einfach an, was jemand anderes gemacht hat und kopierst das Format, den Content oder sogar die Thumbnail-Idee. Du findest einen “Fakten”-Artikel der sich spannend anhört? – Super, vertone diesen, schmeiß ein paar Bilder in den Hintergrund und fertig ist das Video. Wenn du nen guten Tag hast verlinkst du sogar noch den Artikel ganz unten in der Videobeschreibung – dann hast du den Content ja auch nicht geklaut, sondern ja was nettes für die Person gemacht – und zwar ihr publicity gegeben. So entstehen ganz ganz viele Inhaltslosen Hüllen von Videos, die aber mit extrem wenig Aufwand unglaublich viel Watchtime erzeugen.

Diese Art von Videos ist fast schon die harmloseste, wir steigern uns noch.

Aber erstmal will ich etwas anderes generelles einschieben:

Facebook

Facebook ist ein Soziales Netzwerk, das am liebsten Youtube ersetzen würde.  Aber irgendwie haben sie das Konzept von Youtube nicht verstanden. Jeder kann Videos hochladen und wird gleich behandelt. Jeder wird durch publicity und am Ende sogar Geld belohnt und gewinnt auf der Plattform etwas. Facebook hat auch die Funktion VIdeos hochzuladen – aber zusätzlich kann man auch Videos aus anderen Quellen einbetten. – Wenn du jetzt aber ein Youtube Video in Facebook einbettest und veröffentlichst, dann wird das so gut wie keiner sehen. Facebook mag Youtube nicht. Stattdessen musst du an Facebook zahlen, damit sogar die Leute, die dich abonniert haben, das Video sehen. – Klar, du magst Videos von Youtube nicht, aber so wirst du Youtube nicht ersetzen Facebook. Youtube ist ‘Too big to fail’ du kannst nicht einfach Youtube aus Facebook verdrängen und deswegen wird jeder der Facebook benutzt von Youtube auf Facebook wechseln – Nein, die Leute gehen auf Youtube.

Oder 

Viel Schlimmer, jemand lädt die Videos von Youtube herunter, lädt sie auf Facebook hoch, schneidet aus versehen noch das Wasserzeichen oder Intro des eigentlichen Creators raus und ersetzt es durch sein eigenes – und genießt die steigenden Klickzahlen und das unehrlich verdiente Geld. – Und Facebook macht es einem besonders schwer, dieses Video wegen Urheberrechtsverletzung löschen zu lassen – “Man solle doch den Uploader nett fragen, ob er es wieder herunternehmen könne” – was ein Witz. 

Bei Bildern bin ich selbst betroffen. Eine meiner Leidenschaften ist die Fotografie – ich mach echt gerne Fotos und finde es besonders schön, wenn Personen, an die ich diese Fotos weitergebe (also zuschicke oder ausdrucke) sich über diese freuen und ihnen das Bild gefällt. Wenn jetzt aber eine solche Person dieses Foto nimmt, irgendwo – ohne zu fragen – hochlädt und nicht einmal erwähnt, dass in irgendeiner Art und Weise ich hinter der Kamera stand und mir die Arbeit gemacht habe dieses Foto zu schießen, finde ich das einfach nur beleidigend und demotivierend. Der Witz ist, dass dann auch Personen auf de Bildern drauf sind und die Menschen mit diesem Persönlichkeitsrecht umgehen als wäre es Müll. Ich hab im Prinzip kein Problem mit schönen Fotos mit meiner Person drauf im Internet – ich habe aber ein Problem, wenn mich niemand davor fragt. Dafür gibt es eben Regelungen wie das DSGVO oder sonst auch das KUG – aber von dem können die die das Foto nicht gemacht haben wohl wenig Gebrauch machen.

Es tut einfach weh zu sehen, dass jemand anderes mit exakt dem gleichen Bild wie du – und zwar deinem eigenen Bild – mehr Klicks, Likes, usw und vor allem Anerkennung bekommt, als du – vor allem weil du weißt, dass diese Anerkennung eigentlich dir zusteht.

Es ist ein unglaublicher Aufwand ein Foto zu machen. Es gehört nämlich nicht nur dazu, mit einer Kamera am richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, und dann den shot so auszurichten, dass es nach der Erfahrung gut aussieht, Regeln beachten und auch noch die Einstellungen der Kamera beherrschen und dann abzudrücken. Nein, was auch noch dazugehört ist: Kamera – und vor allem die anderen Sachen die dazugehören: Stativ, Objektive, Batterien –  die ganze Zeit mitschleppen, permanent zu schauen, ob man vielleicht hier ein gutes Foto machen könnte oder da das Licht besser ist, die anderen dazu zu überreden beim Foto mitzumachen, kurz zu warten, sie bei Laune zu halten, immer fröhlich hinter der Kamera zu sein. Nein, was danach auch noch dazugehört, ist die Fotos von der Kamera auf den Computer zu übertragen, nachzubearbeiten/aufzubessern und dann an alle verschicken die das Foto haben wollen. Und dann ist mach als die Person die die Kamera dabei hat und die Fotos macht auch noch permanenter Kritik ausgesetzt – wieso seh ich da blöd aus – wieso hast du nicht das auch fotografiert – oder aber auch: du Spanner, was machst du hier (ich hatte mein Stativ aufgestellt, um meinen Freund beim Zeichnen zu filmen, um daraus später einen Zeitraffer zu erstellen). Das ist schon hart.

Und dann diese Arbeit so wenig geschätzt zu sehen, das tut wirklich weh und ist eine Sache, mit der ich immer und immer wieder umgehen muss. 

Dabei könnte man mich so glücklich machen, wenn man einfach zumindest deutlich sichtbar markiert, dass das Foto von mir ist.

Und dahingehend fühle ich mich so mit Filmemachern verbunden, deren kreative Leistung einfach geklaut wird und andere davon profitieren.

Ein ehrlicher Künstler braucht Zeit zur Entwicklung und Verwirklichung seiner Ideen. Deswegen sind Bilder so wertvoll und deswegen brauchen Filme auch teilweise Jahre in der Produktion. Wenn jetzt sowas einfach ohne Wertschätzung an den Künstler geklaut wird, ist das erstens unfair und zweitens extrem demotivierend bis hin zu deprimierend. So sterben Künstler aus, weil sie einfach nicht von ihrer Leidenschaft leben können, obwohl andere das eben tun.

Was stattdessen regiert ist Content-Müll:

Unterste Schublade: Drama bis zum geht nicht mehr oder Nischen, wie notgeile Jugendliche zu befriedigen. Einfach nur nach Bekanntheit suchen oder andere kopieren ist das, womit man Geld macht.

Einfach nur traurig.

Musik ist noch eine ganz andere Geschichte. Urheberrecht ist im Internet gefühlt nonexistent und dann findet man natürlich alles irgendwie entweder irgendwo oder gleich auf Youtube.

Lukas Schulz

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