Wie funktioniert eigentlich Film

Der Titel sagt eigentlich alles.

Heute geht es um Film. Ich möchte Hier von Kameras reden und der Einfachheit halber nur von Schwarz-Weiß Film.

Film ist garnicht so kompliziert:

Auf einer Trägerschicht (meistens Kunststoff) ist eine lichtempfindliche Emulsion aufgebracht, welche wie erwartet auf licht reagiert. Dabei fallen Silberkristalle aus.
Ab dem Belichten darf nun kein weiteres Licht mehr auf den Film kommen, da sonst weitere Silberkristalle ausfallen, bis der komplette Film schwarz ist, die Bilder sind verloren.
Beim Entwicklungsprozess werden einfach die unbelichteten, also nicht ausgefallenen Silberatome vom Film abgewaschen.
Deswegen entsteht auch ein negativ, alle belichteten Kristalle fallen schwarz aus und bleiben am Film, während die unbelichteten abgewaschen werden – die Hellen Regionen des Bildes sind dunkel und umgekehrt.

Interessant hierbei ist, dass man bei der Analogen Fotografie mit dem Licht quasi fast genau umgekehrt umgeht als bei der digitalen Fotografie:

Der Film kann eigentlich bei richtigem Umgang nicht wirklich überbelichtet werden. Ein viel größeres Problem sind die dunkleren Regionen des Bildes. Denn wenn kein Licht hinkommt, dann wird das Silber einfach ausgewaschen.

Bei der Digitalkamera haben wir Fotodioden als Lichtsensor.
Diese können schon bei sehr sehr geringen Lichtmengen einen Strom messen, sobald aber einmal das Maximum erreicht ist, kann sie keine weiteren Details auflösen. Alle überbelichteten Regionen sind einfach gleich hell.

Deswegen tendiert man dazu, Film eher zu überbelichten und digital eher zu unterbelichten – auch wenn man natürlich immer Versuchen sollte das Bild richtig zu belichten.

Ein ganz ganz großer Vorteil der Analogen Fotografie ist die Auflösung.
Ein Film hat keine Pixel – er hat Körner. Die Körnerdichte zu erhöhen ist deutlich einfacher als die Pixeldichte bei einem digitalen Sensor zu erhöhen.

So bekommt man einen Standardfilm mit einer Körnerdichte die etwa 150MP entspricht unglaublich günstig, während man um die gleiche Auflösung bei einer Digitalkamera zu erreichen darf man etwa 35.000€ in die Hand nehmen.

Klar ist dieser Digitale Sensor fast unendlich oft verwendbar, der Preisliche Kontrast ist jedoch auch unglaublich.

Analoge Fotografie ist wieder in. Eine ganz ganz interessante Geschichte hat sich ab 1984 abgespielt: In der USSR begann eine Massenproduktion von analogen Kameras. Kostengünstig aber robust. Und weil es Massenware war, hatten die Kameras auch immer wieder Fehler, sodass von den Seiten neben dem Objektiv auch Licht hineingekommen ist.
Parallel dazu wurde Film deutlich günstiger, auch das entwickelt war nicht mehr teuer, Fotografie wurde leicht bezahlbar. Zwei Wiener Studenten reisten durch Prag und haben sich dort eine solche Kamera gekauft und einfach Fotos gemacht. Kein wirkliches Achten auf Bildkomposition, Licht oder ähnliches. Ein Ignorieren jeglicher Regeln der Fotografie.

Das löste einen Trend aus: Fotos waren jetzt nicht mehr nur Fotografen vorbehalten sondern auch vom “normalen Volk” einfach zu machen. Der Trend sagte quasi einfach aus – mach Fotos wenn es dir Spaß macht – Fotos sind nicht mehr so teuer – es ist nicht schlimm wenn eins daneben geht.

Außerdem haben die Lomography Kameras wie vorhin kurz erwähnt oft irgendwelche Baufehler, wodurch Licht auch von der Seite auf den Film kommen kann. Dadurch sehen die Bilder ein bisschen verwaschen ein bisschen verträumt aus – “Lomo“.

Quasi der Schritt hinüber zu Quantität statt Qualität. Aber ich finde ihn in der Hinsicht garnicht falsch sondern sehr richtig. Unser Kopf selbst weiß, was ästhetisch ist. Um dieses Bild der Ästhetik auf ein Bild zu bekommen braucht es Erfahrung.

Außerdem ist jedes Foto einer Erinnerung besser als kein Foto.

Ich bin aber auch nicht so sonderlich begeistert von dem Trend in den sozialen Netzwerken. Ich finde es toll, dass jeder eine Wahnsinnig gute Kamera griffbereit in der Hosentasche hat (auch wenn ich meine Spiegelreflex immer noch fast über alles liebe) aber ich finde, das Fotos heutzutage fast eher der Selbstdarstellung dienen. ich will hier niemanden beschuldigen – mich stört nur dieser Zwang der Selbstdarstellung und der Sucht nach Internetfame.
Ich finde es macht ein bisschen diese Essenz des Fotos kaputt. Anstatt sich ein paar Sekunden zeit zu nehmen und zumindest ein bisschen das Foto zusammenzustellen drückt man einfach drauf. Man hört auf den Moment zu genießen.
Ich selbst habe viele Gute Fotos liegen gelassen. Ich wollte mir den Moment nicht mit einem Foto versauen – obwohl ich die Kamera sogar schon in der Hand hatte. Ich finde Fotos haben ihren Sinn und Zweck, aber manche Momente brauchen einfach nur ein bisschen Erinnerung.

Lukas Schulz

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